Dr. med. vet. Claudia Nett, Dipl ACVD (Dermatology)
Tieraerztliche Spezialistin fuer Allergien, Haut- und Ohrerkrankungen
 
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Hautkrankheiten von A - Z

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Atopische Dermatitis bei einem Labrador
Ein 3-jähriger Labrador Retriever Rüde mit atopischer Dermatitis und sekundärer Hefepilzinfektion

Atopische Dermatitis/Allergie bei Hunden

Wie wir Menschen, können auch Hunde an Allergien leiden. Fast jeder fünfte Hund leidet an einer Allergie und diese Zahlen sind im Zunehmen begriffen. Während beim Menschen die Symptome meist Heuschnupfen und Asthma sind, kratzen, lecken und beissen sich die Hunde vermehrt oder haben häufig Haut- und Ohreninfektionen.

Was ist atopische Dermatitis?

Die atopische Dermatitis (kurz AD) ist eine der häufigsten Ursachen von chronischem Juckreiz bei Hunden. AD wird durch allergische Reaktionen auf eine oder mehrere Substanzen (Allergene) aus der Umwelt hervorgerufen. Viele Allergene können AD verursachen, oft sind es die gleichen, die beim Menschen Heuschnupfen oder allergisches Asthma auslösen.

Wie äussert sich eine atopische Dermatitis?

Das Hauptsymptom ist der Juckreiz, der besonders Gesicht, Bauch und Pfoten betrifft. Die befallene Haut kann gerötet, feucht oder aufgrund von Kratzen, Beissen, Lecken und Reiben des Hundes verletzt sein. Häufig sind die Ohren entzündet und wiederkehrende Ohrenentzündungen sind in manchen Fällen erstes und alleiniges Zeichen einer AD. Oft treten Hautinfektionen im Zusammenhang mit Allergien auf, da die Hautbarriere des Allergikers gestört ist. So haben Erreger wie Bakterien und Hefen einfaches Spiel. Verglichen zum Menschen, zeigen Hunde nur selten Augen- oder Nasenausfluss. Im Gegensatz zum Menschen wachsen Hunde ihre Allergie nicht aus und sie kann sogar mit dem Alter schlimmer werden. Deshalb wird fast immer eine Behandlung empfohlen.

Warum entwickelt sich atopische Dermatitis?

Damit ein Hund AD entwickelt müssen verschiedene Faktoren erfüllt sein. Dazu gehört eine genetische Veranlagung, weshalb gewisse Rassen auch häufiger an Allergien erkranken als andere. Nebst der Veranlagung muss aber auch eine Belastung durch Umweltallergene gewährleistet sein. Letztendlich ist die Allergie eine Fehlsteuerung des Immunsystems. Bei allergischen Tieren und Menschen kommt es zu einer Überreaktion des Immunsystems, wobei Antikörper (körpereigene Abwehrstoffe) gegen ansonsten harmlose Stoffe wie Pollen, Pilzsporen und Hausstaubmilben produziert werden.

Welche Hunde entwickeln atopische Dermatitis?

Bei einem Großteil der Hunde tritt die Allergie im Alter von 1-3 Jahren zum ersten Mal in Erscheinung. Wegen der genetischen Veranlagung, sind bestimmte Hunderassen häufiger betroffen als andere. Besonders häufig sind Allergien bei Terriern (Westie, Jack Russel, Yorkshire Terrier, Bull Terrier, Airdale Terrier, Boston Terrier) aber auch Rassen wie der Basset, Beagle, Retriever, Boxer, Englische und Französiche Bulldogge, Mops, Spaniel, Lhaso Apso, Shi Tzu, Dogge, Dackel, Chihuahua und viele andere werden oft mit AD diagnostiziert. Mischlinge von diesen Rassen erkranken ebenfalls häufig an AD.

Welchen Allergenen sind Hunde ausgesetzt?

Viele Allergene stammen aus der Luft und sind weit verbreitet. Manche sind das ganze Jahr über vorhanden, wie zum Beispiel Hausstaub- und Vorratsmilben sowie einige Schimmelpilze. Andere findet man nur zu gewissen Zeiten im Jahr, wie zum Beispiel Baum- Kräuter- und Blütenpollen. Hunde nehmen Allergene in erster Linie über die Haut auf, deshalb sind auch die nicht-behaarten Körperstellen zumeist stärker betroffen (Achselhöhlen, Zwischenzehenhäute, Bauch)

Wie diagnostiziert man atopische Dermatitis?

Die Diagnose basiert auf der Krankengeschichte, der klinischen Untersuchung und auf dem Ausschluß anderer Erkrankungen, die ein ähnliches Erscheinungsbild haben. Dies können z.B. Parasiten oder Futtermittelunverträglichkeit sein. Wenn das Vorliegen einer Allergie vermutet oder bestätigt ist, empfehlen wir die Durchführung eines Allergietests. Dieser dient dazu, diejenigen Allergene zu identifizieren, auf die der Hund allergisch reagiert. Es stehen uns zwei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung.

Intrakutantest
Dieses ist der verlässlichste Test, da direkt die Reaktion der Haut auf verschiedene Allergene getestet wird. Er wird ähnlich wie der Allergietest beim Menschen durchgeführt. Es werden über vierzig Allergene in die Haut des Hundes an der seitlichen Brustwand injiziert. Die Haare müssen dazu auf einer Fläche von ca. 10 x 20 cm geschoren werden und der Hund mit einer Beruhigungsspritze sediert werden. Die Reaktionen können innerhalb weniger Minuten nach Injektion beurteilt werden, d.h. das Ergebnis steht sofort zur Verfügung.

Blutallergietest
Dieser Test kommt dann zum Einsatz, wenn der Intrakutantest nicht praktikabel ist. Dies ist meistens dann der Fall, wenn Hunde eine sehr stark veränderte Haut oder sehr starken Juckreiz haben und nicht ohne Medikamente auskommen. Beim Bluttest werden spezifische Abwehrkörper (sogenannte Allergen-spezifische IgE-Antikörper) gegen die wichtigsten Allergene gemessen. Je nach Labor kommt es zu grossen Unterschieden in der Zuverlässigkeit der Testresultate

Kann man atopische Dermatitis heilen?

Leider ist die atopische Dermatitis nicht heilbar. Es handelt sich um eine chronische Krankheit, die ständiger Therapie bedarf. Die meisten Atopiker können jedoch mittels geeigneter Therapie so eingestellt werden, dass praktisch alle klinischen Symptome kontrolliert sind. Natürlich wäre die beste Möglichkeit, eine Vermeidung der krankmachenden Allergene. Dies ist jedoch in den meisten Fällen nur beschränkt machbar. Weitere Möglichkeiten sind zum Beispiel:

  • Allergen-spezifische Immunotherapie/Desensibilisierung
    Die Allergieimpfung hat zum Ziel, den Körper ganz langsam an das Allergen zu gewöhnen , das die Allergie auslöst. Es bewirkt eine so genannte „Umstimmung“ des Immunsystems, d.h. das Immunsystem wird die Desensibilisierung so beeinflusst, dass es bei Kontakt mit den Allergenen nicht mehr über- sondern normal reagiert.
    Bei erfolgreicher Desensibilisierung können Medikamente reduziert oder sogar ganz vermieden werden. Die Injektionen zur Desensibilisierung werden normalerweise vom Besitzer zu Hause gegeben. Menge und Injektionsabstand variieren von Hund zu Hund.
  • Entzündungshemmende Medikamente
    Kombinationen von Antihistaminika, Fettsäuren, Kortisonpräparate und Cyclosporin können helfen, Ihrem Tier den Juckreiz zu lindern. Eine Kombination mehrerer Medikamente ist zumeist nicht nur wirksamer sondern auch bezüglich Nebenwirkungen weniger problematisch. Da jeder Hund unterschiedlich ist, muß man bei manchen Tieren verschiedene Medikamente ausprobieren, um heraus zu finden, welches die beste Wirksamkeit hat.
  • Medizinische Shampoos und Rückfeuchter
    Shampoos und Rückfeuchter bringen vielen Hunden Erleichterung. Beim Baden werden Allergene mechanisch von der Haut abgewaschen und zusätzlich Juckreiz stillende Substanzen auf die Haut aufgetragen, was hilft, den Juckreiz zu lindern. Benutzen Sie möglichst kühles Wasser, weil dieses den Juckreiz zusätzlich mindert und spülen Sie Shampooreste gründlich wieder aus dem Fell heraus.
  • Medikamente gegen Bakterien und Pilze
    Hunde mit Allergien neigen dazu, Infektionen mit Bakterien und Pilzen an Ohren und Haut auszubilden. Diese Hunde brauchen unbedingt eine entsprechende Behandlung, da die Infektionen zusätzlichen Juckreiz verursachen.
  • Regelmässige Flohprophylaxe
    Es ist auch wichtig, jeden Hund mit einer Allergie das ganze Jahr über vor Flohbefall zu schützen. Allergische Hunde reagieren viel empfindlicher auf Flohbisse, als gesunde Hunde

Allergien sind Erkrankungen, die zwar behandelbar, aber leider nicht heilbar sind. Die Behandlung allergischer Hunde erfordert viel Geduld von Seiten des Tieres, seines Besitzers und auch des behandelnden Tierarztes. In fast allen Fällen ist eine lebenslange Therapie nötig und allergische Hunde sollten regelmässig auf Sekundärinfektionen untersucht und wenn nötig behandelt werden

Was soll ich tun, wenn ich denke, dass mein Hund atopische Dermatitis hat?

Sprechen Sie mit Ihrem Tierarzt. Er kann Ihren Hund entsprechend abklären und Sie bei Bedarf an einen tierärztlichen Spezialisten für Hauterkrankungen überweisen.


Malassezien-Dermatitis
Andere Namen: Hefepilzinfektion, Pilzinfektion

Was sind Malassezien?
Malassezien sind Hefepilze, die in geringer Anzahl auf der Oberfläche der Haut von normalen Hunden an bestimmten Körperstellen wie z.B im äusseren Gehörgang oder unter dem Schwanz gefunden werden können. Sie leben von Substanzen, die von der Haut produziert werden. Unter gewissen Bedingungen können sich die Hefepilze vermehren und eine Hautentzündung auslösen. Faktoren, die die Vermehrung begünstigen sind Feuchtigkeit, Wärme, Seborrhöe, und Antibiotika-Gaben. Allergien und andere Hautentzündungen können ebenfalls die Vermehrung von Malassezien begünstigen.

Was ist Malassezien-Dermatitis?
Die Malassezien-Dermatitis ist eine oberflächliche Hautentzündung, die durch die übermässige Vermehrung von Hefepilzen entsteht. Meistens geschieht dies dann, wenn die Haut durch eine andere Erkrankung vorbelastet, die Hautbarriere geschädigt oder das Hautimmunsystem gestört ist. Die Malassezien-Dermatitis ist also nicht eine primäre Hauterkrankung sondern eine Folgeinfektion bei bereits vorgeschädigter Haut. Hunde mit atopischer Dermatitis, anderen Hautallergien, hormonellen Störungen und Seborrhöe sind besonders anfällig für eine Malassezien-Dermatitis.

Die Malassezien-Dermatitis kann lokal oder generalisiert auftreten. Besonders häufig verursachen die Hefepilze äussere Gehörgangsinfektionen, Zwischenzehen­entzündungen und Lippenfaltendermatitis. Auch die Haut an der Halsunterseite oder unter den Achseln und am Bauch ist häufig betroffen. Hunde mit Malassezien-Dermatitis haben milden bis starken Juckreiz, eine feuchte Haut und einen ranzigen Hautgeruch. Die Haut ist in der Regel gerötet bis dunkelgrau verfärbt, schuppig und verdickt.

Einige Rassen sind speziell anfällig für Malassezien-Dermatitis. Dazu gehören in erster Linie der West Highland White Terrier und der Bassethound.
In seltenen Fällen können Hunde sogar eine Allergie gegen Malassezien entwickeln. Bei diesen Tieren genügt bereits einen geringe Anzahl Malassezien um starken Juckreiz auszulösen.


Wie wird Malassezien-Dermatitis diagnostiziert?
Die Diagnose basiert auf der klinischen Untersuchung und dem mikroskopischen Nachweis von Malassezien im Ohrsekret oder von Abklatschpräparate betroffener Hautstellen. Die Ohrabstriche und Abklatschpräparate werden mit Spezialfärbungen eingefärbt und unter dem Mikroskop beurteilt (zytologische Untersuchung). Eine Diagnose von Malassezien-Dermatitis wird gestellt, wenn die zytologische Untersuchung mehr als 2-3 Hefen pro 1000x Vergrösserungsfeld ergibt.

Wie wird Malassezien-Dermatitis behandelt?
Die Behandlung der Malassezien-Dermatitis erfolgt mittels lokaler und/oder systemischer antifungaler (gegen Pilze gerichteter) Therapie. Die lokale Behandlung mit antifungalen Shampoos, Sprays, Cremes, Lotions oder Conditioner ist in jedem Fall nötig und sollte zu Beginn mindestens bei generalisierten Fällen 2-3x pro Woche erfolgen. Bei der Verwendung eines Shampoos ist es besonders wichtig, dieses mindestens 10 Minuten auf der Haut zu belassen, damit es seine volle Wirksamkeit entwickeln kann.

Die systemische Behandlung mit Tabletten (Ketokonazol - Nizoral® oder Itrakonazol - Sporanox®) ist nur bei starker, ausgedehnter Malassezien-Dermatitis nötig. Eine Verbesserung der Symptome tritt in der Regel innerhalb von 2-3 Wochen ein. Die Behandlung sollte solange weitergeführt werden bis die klinischen Symptome abgeklungen sind und in der zytologischen Untersuchung keine Hefen mehr nachgewiesen werden können.

Ursachen für Malassezien-Dermatitis
Da Malassezien-Dermatitis in der Regel eine Folgeinfektion ist und sich nur entwickelt, wenn eine andere Hauterkrankung hierfür den Weg gebahnt hat, sollten diagnostische Tests durchgeführt werden, um prädisponierende Faktoren und zu Grunde liegende Erkrankungen abzuklären. Wenn möglich, sollte die ursächliche Krankheit behandelt und prädisponierende Faktoren ausgeschaltet werden, denn nur so kann ein Wiederauftreten der Malassezien-Dermatitis verhindert werden.